Da stehe ich nun, halb nackt, in meiner selbst entworfenen Lingerie vor der Kamera eines angesagten Amsterdamer Modefotografen.

„Dreh dich ein bisschen, ja genau so. Lass deine Arme locker. Wunderschön. Ja, weiter so…“

Ich fühle mich überhaupt nicht wunderschön. Und den Pickel an meinem Kinn konnte auch die Visagistin nicht wegzaubern.

Hätte ich doch besser geschlafen, gesünder gegessen, mehr Sport gemacht. Und wann schaffe ich es endlich, die Finger von den Zigaretten zu lassen? Ach ja, und der Wein und die Weißbiere sind natürlich auch nicht gerade förderlich für… na ja, eigentlich für alles, was mit Gesundheit und Schönheit zu tun hat.

Ganz ehrlich: Ich fühle mich lächerlich. Während des Shootings spreche ich mir selbst Mut zu.

„Janneke, du machst das, um ein Tabu zu brechen. Um dich verletzlich zu zeigen und damit zu beweisen, dass es in Ordnung ist, keinen perfekten Beckenboden zu haben.“

Am ersten Samstag im Mai stehe ich in voller Pracht auf der meistgelesenen Seite der Frauenrubrik „De Vrouw“ der niederländischen Zeitung De Telegraaf. Die Rubrik heißt „Sich zeigen“. Der Name sagt eigentlich schon alles: Ich zeige mich vor mehr als zwei Millionen Leserinnen und Lesern und erzähle, dass ich mit Urinverlust lebe und eine chronische vulväre Hauterkrankung habe.

Mein Vater und mein Schwiegervater finden das nicht gerade toll.

„Muss das wirklich sein? Auf diese Art? Und diese ganze Geschichte über das Wasserlassen?“

„Ja, das muss sein“, antworte ich etwas scharf.

Warum sind es hauptsächlich Männer, die sich fragen, ob sie das überhaupt wissen möchten? Und warum reagieren die Frauen um mich herum so begeistert und voller Unterstützung, wenn es um meine Mission geht?

Geht es bei diesem Tabu also wirklich nur um die Engstirnigkeit von Männern? Oder ist es vielleicht auch ein Tabu unter Frauen selbst?

Ich bin mir dessen noch nicht ganz sicher.

Die Visagistin während des Shootings brachte mich zum Nachdenken.

„Janneke, möchtest du deine Haare offen und sexy tragen oder hochgesteckt und zugänglich?“

Ich entschied mich für Letzteres und begann ihr zu erzählen, was das Ziel dieses Shootings ist: meine Mission, das Tabu rund um Urinverlust und Lichen Sclerosus zu brechen.

Sie hörte auf, meine Haare zu toupieren, warf ihr eigenes Haar nach hinten und begann zu lachen.

„Also, du siehst dann so aus und pinkelst einfach in deine Hose? Das finden wir Frauen doch ziemlich lustig…“

Danach setzte sie noch ein kleines „na na na na na“ hinterher.

Genau wie in der alten Rolo-Werbung mit dem gemeinen kleinen Jungen und dem süßen Elefantenbaby.

„Überlege gut, was du mit deinem letzten Rolo machst.“

Ehrlich gesagt wusste ich in diesem Moment wirklich nicht, was gerade passiert. Ich wusste nicht, ob sie es liebevoll meinte oder ob es einfach nur unglaublich verletzend gemeint war.

Meine Schlussfolgerung ist: Sobald Pavone und ich nicht mehr als süß oder harmlos wahrgenommen werden, bekommt vielleicht auch sie einen kräftigen Schubs vom Schicksal… denn Karma kennt manchmal keine Gnade.

Liebe Visagistin von De Vrouw: Ich hoffe, du weißt heute, dass Worte manchmal viel mehr bewirken können, als man denkt.

Janneke Schellekens

Kommentare

Las je artikel in het AD, Oprecht en van uit je gevoel en ervaring geschreven, de investering is de moeite waard geweest. Prachtig geschreven, je moeder is trots op je. ook het grapje van je man was leuk. ik moest er om lachen. De hippe Amsterdamse mode fotograaf, je vriendinnen die je wijzen op je ondergoed, meer blootgeven lukt bijna niet, de raad van vaders, gelukkig sla je het in de wind, ben overtuigd dat we nog veel van je gaan horen.
Gr. Henri

— Henri

Las je artikel in de Gelderlander. Wat knap om je zo “bloot “ te geven! Ben erg benieuwd naar je lingerie en weet zeker dat heel veel vrouwen hier erg blij mee zijn! Liefs, Josette

— Josephine Wijnands

Hallo Janneke.

Na het artikel ‘blootgeven’ gelezen te hebben in de telegraaf heb ik de pavonasite bekeken en je blog gelezen.
Mooie lingerie, spreekt mij erg aan. Overingens vind ik je blog ook eerlijk en ontwapenend.
Als verpleegkundige zie en merk ik nog vaak een grote schaamte. Ik neem deze informatie mee.

Succes. Binnenkort komt mijn bestelling
M.v.g. Geja van Lutterveld.

— Geja van Lutterveld

You rock

— Marieke