„Also Frau Schellekens, Sie haben bestimmt sehr hohe Erwartungen an die Bauchspiegelung?“ Der Gynäkologe schaut mich eindringlich hinter seiner grünen OP-Haube an und reibt sich energisch die Hände. Dann erklärt er mir, dass Verwachsungen wieder nachwachsen können und dass auf dem MRT nur sehr wenig Endometriose zu sehen sei. So wenig, dass ich wahrscheinlich keinen Unterschied bemerken werde.
Ich spüre, wie sich mein Hals zuschnürt und sich meine Augen mit Tränen füllen. Heute lasse ich mich freiwillig aufschneiden – für nichts. Na ja… für nichts? Seit Jahren habe ich so unglaubliche Schmerzen, dass ich rund um meinen Eisprung und meine Menstruation mehrere Tage im Monat komplett außer Gefecht gesetzt bin. Ich liege heute schließlich nicht wegen ein bisschen Blähungen auf diesem Operationstisch.
Ich sehe, dass der Gynäkologe von meinen Tränen überrascht ist. Er macht einen Schritt zurück und legt die Hände in den Nacken. Er hört auf zu sprechen, beißt sich auf die Lippe, und eine Gynäkologin übernimmt das Gespräch. Ich glaube, er bereut seine direkte Art zu kommunizieren. Und ehrlich gesagt fand ich sie unglaublich befreiend. Auch wenn ich seine Nachricht unter Tränen verarbeite, ist er der erste Arzt, der Klartext mit mir spricht. Meine Tränen erzählen die Geschichte eines langen Leidenswegs, und das versteht der Gynäkologe, ohne dass ich auch nur ein Wort sagen muss. Er nimmt meine Hand und verspricht mir, dass er wirklich alles tun wird, um herauszufinden, woher meine Beschwerden kommen. Zum ersten Mal in diesem ganzen Prozess fühle ich mich verstanden. Danke, Herr Gynäkologe.
Ich schließe die Augen und versuche, an unseren letzten Sommerurlaub in Thailand zu denken. An meine Kinder Julia und Berend, wie sie im Meer schnorcheln. Sie sind mein Ein und Alles und noch so viel mehr. Juul und Beer schauen mich mit ihren Schnorchelmasken auf ihren fröhlichen kleinen Gesichtern lachend an. Die Sonne glitzert auf Julias gebräunter Haut, und auf Berends Schultern sind noch Spuren von Sonnencreme zu sehen. Sie sind perfekt – von innen und von außen. Diese beiden wundervollen Menschen haben einmal in meiner Gebärmutter gelebt, und ich hätte sie mir nicht besser, nicht schöner und nicht liebevoller wünschen können.
„Frau Schellekens, die Operation ist gut verlaufen“, sagt eine junge Frau mit grünen Augen und schwarzen Haaren. Sie erklärt mir, dass nichts entfernt wurde und der Eingriff sehr schnell beendet war. Ich spüre wieder, wie sich mein Hals zuschnürt. Die Tränen laufen mir wie kleine Bäche über die Wangen. Still weine ich vor mich hin. Es wurde nichts gefunden, hallt es immer wieder durch meinen Kopf. Ich übertreibe. Meine Schmerzen sind normal. Ich muss einfach damit leben.
Ich weine noch mindestens drei Stunden, und die anderen Frauen im Zimmer lassen mich in Ruhe. Ab und zu schaut eine Pflegekraft nach mir. „Lass die Tränen einfach fließen, meine Liebe. Tränen sind eine Form der Heilung“, flüstert eine Krankenschwester mit blondem Haar.
Am selben Abend ruft mich mein Gynäkologe an. Er hat bei mir eine Adenomyose der Gebärmutter diagnostiziert. Meine Gebärmutter muss entfernt werden. Eine große Bauchoperation steht mir bevor.
Ich weine. Und ich lache.
